Samstag, 17. November 2007

Crikey! Ein später Nachruf.

Letzten Mittwoch fand an der Uni von Queensland eine Steve Irwin Memorial Vorlesung statt. Großer Medienrummel, der Kanzler der Uni, alle wichtigen Herrschaften, Steve's Witwe Terri, sein Vater Bob und der halbe Australia Zoo waren da, um ihm und seiner Arbeit zu gedenken, eine Vorlesung über Krokodil-Tracking zu hören (die wirklich super war) und der Übergabe von Steve's Professur an seine Witwe mitzuerleben. Einen Tag später fand in Irwin's Australia Zoo mit ebensoviel Rummel der erste Steve Irwin day statt.
Was soll der ganze Aufwand, könnte man sich fragen? Erhöht man da nicht postmortem eine Knalltüte oder einen Spinner, wie ihn viele bezeichnen? Sicherlich war Irwin nicht unumstritten, hat er doch seinen neugeborenen Sohn während einer Show mit ins Krokodilgehege genommen und ist vielen Tieren während den Dreharbeiten für seine Dokumentationen sehr viel näher gekommen, als ihnen lieb war (was er ja letztendlich mit dem Leben bezahlt hat). Tierschützer verachten ihn dafür und bezeichnen seine Dokumentationen als reißerisch und übertrieben. Vor allen den Australiern war er oft ziemlich peinlich.
Was aber wenige wissen und was auch ich erst in der Vorlesung und ihm Gespräch mit seinen Kollegen und seiner Frau erfahren habe, ist wie sehr er sich für den Naturschutz und die Erhaltung von Tierarten, v.a. seiner heiß geliebten Krokodile, eingesetzt hat. Man kann sogar sagen, dass er sein Leben völlig in den Dienst dieser Sache gestellt hat. Seinen Jahresurlaub hat er mit Wissenschaftlern der Uni von Queensland im Busch verbracht um Krokodile zu erforschen. Die Irwins stecken quasi ihr ganzes Geld (das sind millionen) in den Zoo, unterstützen die Uni, Naturschutzorganisationen, wie die Wildlife Warriors und kaufen Grundstücke in diversen Ländern, um diese in Naturschutzgebiete zu verwandeln. Um solche Summen bereitzustellen bedarf es genau des Aufsehens das Irwin als der "Crocodile Hunter" erregt hat. Und das alles ist doch eine genial durchdachte Sache?!
Als Irwin's Vater Bob in den 70er Jahren mit seiner Frau einen kleinen 4ha großen Reptilienpark im verschlafenen Beerwah gegründet hat, hat wahrscheinlich keiner gedacht, dass daraus mal ein Imperium werden würde - ein Naturschutzimperium. So etwas kann man nicht mit drögem besserwisserischem Geschwätz erreichen. Seine Freunde sagen, Steve hatte wie kein anderer das Talent Leute zu begeistern und mitzureißen und sie beschreiben ihn als den enthusiastischsten, passioniertesten Menschen, den sie kannten, voller Liebe für das Leben, larger than life. Er selbst sagte über sich: "When i wake up in the morning, i'm on fire, mate!"

In Europa und Deutschland mit seiner Ökobewegung aus den 80er jahren ist Naturschutz selbstverständlicher als in einem Land wie Australien, dass das Kyotoprotokoll nicht ratifiziert hat, in dem der Bürgermeister von Cairns zum Keulen von Krokodilen aufruft, in dem man mit dem Geländewagen einen kleinen Schlenker von der Fahrbahn macht um den Leguan plattzufahren, den zuvor einer meiner Kollegen von der Straße gerettet hat, in dem Insektengift sich besser verkauft als Insektengitter und in dem trotz tropischer Sonne Solarzellen unbekannt sind. Hier braucht man einen Steve Irwin, um etwas Hirnlosingkeit durch Wissen und Interesse zu ersetzen. Das konnte er besser als jeder andere und dafür verdient er Respekt und Hochachtung.
Bin ich sentimental? Na klar und wie!! Wie kann man das angesichts solcher Leidenschaft und Liebe für das Leben, den Naturschutz und den Arterhalt nicht sein?
Wow mate, you were larger than life! Cheers

5 Kommentare:

thegrouch hat gesagt…

Super-interessant, danke dafür!
(Für mich war er bisher nämlich tatsächlich nichts als ein reißerischer Spinner und Tiere-Belästiger...)

Anonym hat gesagt…

Sowas sollten wir auch machen. ZDF gibts ja schon, jetzt brauchen wir nur noch etwas Geld und ein Stück Land. Oder Meer. Wie auch immer.

wha'eva hat gesagt…

Und wer springt vom Boot auf die Krokodile? Ich nicht ;o)

Anonym hat gesagt…

Och...je nachdem...wenn dem Naturschutz hilft...ich würde die ganze Aktion aber doch lieber nach S-Amerika verlegen und auf Affen springen ;-)

wha'eva hat gesagt…

Nich dass ich besonders füllig wäre, aber ich weiss nicht ob son Äffchen sich freut wenn ich drauf springe. Knacks...