Mein erster Feldtrip! Jippie!! Ich musste drum kämpfen noch mitfahren zu können, weil meine Betreuerin meinte die Zeit für mein Projekt rase davon und für sowas sei keine Zeit. Zum Glück war mein Prof anderer Meinung und so hab ich meinen Kram gepackt (Taucheranzug, man weiß ja nie....) und bin quasi als Hilfsarbeiter mit nach North Stradbroke Island gekommen. Für mein Projekt, in dem es um die Entwicklung des visuellen Systems bei Haien geht, musste ich den Lebensraum der Tiere definieren, also fotografieren, Lichteinstrahlung und Wassereigenschaften messen.
Da ich allerdings nich alleine mit nem Boot in der Gegen herumfahren kann und auch nicht weiß, wo die Tiere anzutreffen sind, habe ich als Freiwilliger einer Forscherin geholfen, die Haie (Bambushaie Chiloscyllium punctatum) zu tracken, also mit Sendern markierte Tiere erfolgen. Euphorisch hatte ich mich gleich für 5 Tage eintragen lassen.
Die ersten zwei Tage habe ich jedoch noch mit zwei Freundinnen Netze ausgelegt um Gitarrenfische zu fangen (Schaufelnasenrochen). Einen einzigen haben wir gefangen, neben einem Stachelrochen und Krokodilfischen, mit sympathischem Gebiß.
Dann kam das Bootfahren.
Man sitzt zu dritt in einem Motorboot und fährt in 6-Stunden-Schichten hinter dem Peilsender her. Was nicht zu schwierig war, da die Haie den ganzen Tag auf dem Boden rumliegen......also fährt man im Kreis drumrum und notiert die Position. Öde und anstrengend, zumal das Wetter ständig zwischen sengender Subtropensonne, fetten Regenschauern und Starkwind wechselte und ich meine Klamotten entsprechend.
Nach einigen Stunden ist man klebrig und naß von Schweiß, Sonnencreme, Salzwasser von unten, Regenwasser von oben. In der Dämmerung kommen die Sandfliegen und Moskitos, also schmiert man noch Insektenschutzmittel über alles drüber (keine europäische milde Mückenschutzmilch, sondern tropenstärke 80% DEET, gesundheitschädlich bei längerem oder zu großflächigem Anwenden. Wenn man es an die Lippen bekommt, werden sie taub).
Aber es wird doch noch spannend: wenn die Flut kommt und vor allem Nachts werden die Haie plötzlich aktiv und schwimmen in die Mangroven. Hinterher! Da es dort flach ist, muss man zu zweit ins Kanu umsteigen, die ganze Peilelektronik auf dem Schoß, Empfänger im Wasser. Einer paddelt und liest die Signalstärke ab, der andere (ich) sucht mit dem Empfänger, dem Hydrophon, nach dem stärksten "Ping" des Senders und weist in dessen Richtung. Durch die Austerbänke paddelnd kommt man den Magroven immer näher, was man am immer lauter werdenden Surren und Schwirren von Myriaden Insekten hört. Bilder von moskitoverseuchten Fiebersümpfen erscheinen im Kopf; ob wir durch Spinnennetze fahren? Zum Glück bin ich von einer 80%igen Giftschicht bedeckt. Dutzende kleiner Fische hüpfen vor dem Kanu und um unsere Köpfe herum, aufgeschreckt durch den Lichtkegel meiner Taschenlampe. Hoffentlich hüpft mir ins Gesicht, denn die Biester haben einen Stachel an der Nase und da waren doch die Geschichten, dass jemand einen im Auge stecken hatte? Oder hab ich mich da verhört? Egal. Die ganze Müdigkeit ist verflogen, die Klebrigkeit vergessen und man ist hellwach und gespannt. Und dann ist das Signal ganz stark. Der Hai muss hier irgendwo sein! Leuchte! Siehst Du ihn? Weiter rechts! Und da ist er.....wegen seiner Bewegungslosigkeit über die ersten Tage schon totgeglaubt sitzt er vor einem im Wasser und man könnte fast die Hand austrecken und ihn erreichen. Mission beendet, nichts wie nach hause, denn es sind nur 6 Stunden bis zur nächsten Schicht. Wieso hab ich nur bis Sonntag zugesagt, ich Horst!?
Nach 5 Tagen endlich fertig, und wie! Schichtarbeit erzeugt Zombies!
Der krönende Abschluß kam jedoch auf der Rückfahrt im Zug. Ich war froh der letzten Nachtschicht entkommen zu sein, für die ein Kollege einsprang und zuversichtlich um 22h zuhause zu sein. Doch ein betrunkener Vollspacko hatte sich mich für eine Sonntagabendspezialbehandlung ausgesucht, dh meinen Koffer durch die Gegend zu treten und mir eins aufs Maul zu geben. Er: abgehauen, ich: geschockt, meine Mitreisenden: amüsiert bis genervt. Von Paramedics am Bahnsteig abgeholt, 1 Stunde Aussage bei der Polizei gemacht, mit dem Taxi gefahren, um 24h zuhause angekommen.
Was für ein Preis für ein paar Fotos und Messdaten! Was für ein Trip!
Sonntag, 9. Dezember 2007
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2 Kommentare:
Die Vorstellung da durch Insekten-verseuchte Mangroven zu dümpeln ist irgendwie gerade deutlich verlockender als hier im ständig nass-kalten Mistwetter festzuhängen. Blörgs. Will auch Haie jagen ;-)
Komm her. Jo braucht immer Freiwillige ;o) für ihre Arbeit....
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